Die bäuerliche Landwirtschaft kann das Klima retten

EINE BÄUERLICHE LANDWIRTSCHAFT

FÜRS GUTE KLIMA

Agrarökologie ist ein ganzheitliches Konzept. Das menschliche Handeln muss sich respektvoll ins Ökosystem einfügen. Durch die innovativen sozialen, ökonomischen und landwirtschaftlichen Verfahren verbindet Agrarökologie Tradition und Überwindung des kapitalistischen Systems. Sie transformiert die Gesellschaft und geht zwei globale Herausforderungen an: Die Bekämpfung des Hungers und die Eindämmung des Klimawandels.

Die bäuerliche Landwirtschaft kann das Klima retten

Eine erfreuliche Nachricht: Es gibt Lösungen, um den Ausstoss von Treibhausgasen zu senken. Das Konzept der Ernährungssouveränität schlägt sieben Etappen vor, um den Planeten abzukühlen und seine Bevölkerung zu ernähren.

Eine radikale Wende kann nur dann gelingen, wenn alle am gleichen Strick ziehen: Bäuerinnen und Bauern, KonsumentInnen, die Nahrungsmittelindustrie und die Politik.

Unsere Agrarpolitik muss der bäuerlichen Landwirtschaft oberste Priorität beimessen. Aktuell werden auf 25 Prozent der Ackerfläche 70 Prozent der weltweit konsumierten Nahrung produziert. Diese Zahlen zeigen, dass die bäuerliche Landwirtschaft zweifelsfrei effizienter als die industrielle Landwirtschaft ist und dabei weniger Schaden am Klima anrichtet.

Damit die bäuerliche Landwirtschaft nachhaltig gestärkt werden kann, müssen Massnahmen in mehreren Etappen umgesetzt werden:
 
 – Die Ackerfläche muss aktiv zugunsten der bäuerlichen Landwirtschaft aufgeteilt und der Anreiz für Grossbetriebe muss minimiert werden.
 
– In den letzten 50 Jahren wurden vier Kulturen (Soja, Ölpalmen, Raps und Zuckerrohr) auf mehr als 140 Millionen Hektaren angebaut, was der Gesamtackerfläche des Ackerlandes Indiens entspricht. Dies muss sich ändern. Eine Diversifizierung ist zwingend nötig!
 
– Der Zugang zu Land muss erleichtert werden und die Politik muss die Bodenfruchtbarkeit und die lokale Wirtschaft fördern. Damit könnten die Treibhausgasemissionen in nur wenigen Jahrzehnten reduziert werden.
 
– Die Anbaumethoden des 20. Jahrhunderts haben 30 bis 75 Prozent des organischen Materials auf Ackerflächen, Weideland und Wiesen zerstört. Dieser massive Verlust ist verantwortlich für 25 bis 40 Prozent des aktuellen Kohlendioxid-Ausstosses (CO2) in die Erdatmosphäre. Die bäuerliche, ökologische Landwirtschaft kann diesen Effekt umdrehen, indem sie Humus aufbaut und so Kohlendioxid in grossen Mengen speichert.
– Biologischer Landbau und agrarökologische Methoden sollen gefördert werden. Sie erfordern zwar mehr Handarbeit, verbrauchen aber weniger chemische Produkte und Treibstoff. Mit dem Boden muss vorsichtig umgegangen werden. Er muss geschützt und die Biomasse wiederaufgebaut werden. Zum Beispiel indem die Fruchtfolge respektiert und gegen Erosion und Verschmutzung gekämpft wird oder Kulturen angebaut werden, die den lokalen Konditionen angepasst sind.
 
– Reduzierung der zurückgelegten Kilometer der verkauften Nahrungsmittel. So kann der CO2 -Ausstoss des Ernährungssystems reduziert werden.
 

– Sich auf das konzentrieren, was funktioniert: Ein Übergang von der globalisierten Lebensmittelindustrie von multinationalen Unternehmen hin zu lokal verankerten Nahrungskreisläufen, die in den Händen der Kleinbäuerinnen und Kleinbauern sind.

Agrarökologie ist die Gesamtheit lokaler Initiativen und innovativer Praktiken, mit der das Konzept der Ernährungssouveränität umgesetzt werden kann. Und zwar weltweit. So kann der Klimawandel gedämpft und Hungersnöte verhindert werden.

LEXIQUE

Agrarökologie, agrarökologisch: Begriff, der eine wissenschaftliche Disziplin, eine soziale Bewegung oder eine landwirtschaftliche Praxis beschreibt. Die drei Aspekte interagieren miteinander und berücksichtigen die dem geografischen Gebiet eigenen Bedingungen.

Ökosystem: Fachbegriff, der einen Lebensraum (Biotop) und die darin vorkommenden Pflanzen, Tiere und Bakterien beschreibt. Z.B. ist ein Wald ein Ökosystem.

Treibhausgas: Gas, das einen Teil der Sonnenstrahlen absorbiert und in Form von Strahlung wieder an die Erdatmosphäre abgibt (Treibhauseffekt). Gemeint sind hier meist Gase, die durch die Öl-, Kohle- und Holzverbrennung in die Erdatmosphäre gelangen.

Ackerfläche: Boden, der gepflügt und bepflanzt werden kann. Im Gegensatz zu z.B. Waldweiden.

CO2: Kohlendioxid. Mit Methan (CH4) und Distickstoffmonoxid (N20) eines der Treibhausgase.

Humus: Oberste Bodenschicht. Entsteht bei der Zersetzung von organischem Material (z.B. Pflanzenreste) hauptsächlich durch die Tätigkeit von Tieren, Bakterien und Bodenpilzen. Humus ist weich, gut durchlüftet und kann viel Wasser aufnehmen.

Biomasse: Gesamtheit des pflanzlichen und tierischen organischen Materials.

Lebensmittelindustrie: Gesamtheit aller wirtschaftlichen Tätigkeiten, die mit der maschinellen Verarbeitung von Lebensmitteln in grossen Mengen in Verbindung stehen. Gegenteil der handwerklichen Verarbeitung.

Multinationales Unternehmen: Firma, die in mehreren Ländern oder Kontinenten agiert oder angesiedelt ist.