Einfluss der Agrarindustrie aufs Klima, in der Schweiz und im Süden

KLIMAKILLER NR. 1:

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Hagel, Trockenheit, Überschwemmungen: Die globale Nahrungsmittelproduktion ist durch den Klimawandel bedroht. Aber sie ist auch mitverantwortlich dafür. Durch Abholzung von Wäldern, Herstellung von Kunstdüngern, Pestiziden, Massentierhaltung und Nahrungsmittelverschwendung ist die Agroindustrie heute für mehr als 50 Prozent aller Treibhausgase verantwortlich.

DIE INDUSTRIELLE LANDWIRTSCHAFT

Einfluss der Agrarindustrie aufs Klima, in der Schweiz und im Süden

Das globale Ernährungssystem verursacht heute bis zu 50 Prozent des weltweiten Ausstosses an Treibhausgasen und ist eine ernstzunehmende Gefahr für unser Klima.

– Die industrielle Landwirtschaft breitet sich auf der ganzen Welt aus – in Savannen, in Feuchtgebieten, im Flachland und in Waldregionen. Ganze Landstriche werden umgepflügt. Bevor der Boden kultiviert wird, reissen Bulldozer die Bäume aus: Waldrodung verursacht 15 bis 18 Prozent der weltweiten Treibhausgase.
 
– Die Landwirtschaft selbst stösst 11 bis 15 Prozent der weltweiten Treibhausgase aus. Diese Emissionen setzen sich zusammen aus der zur Produktion nötigen Energie, aus der Verwendung industrieller Produktionsmittel, wie Kunstdünger oder Pestizide, aus der Fabrikation von Traktoren und Maschinen, den Treibstoffen und aus den Überschüssen an Gülle, die in der Massentierhaltung entstehen.
 
– Das industrielle Ernährungssystem verhält sich wie eine Reiseagentur. Ein Beispiel: Futter aus Argentinien für Hühner in Chile, die zur Verarbeitung nach China exportiert und schliesslich in einem McDonalds in den USA verspeist werden. Ein Grossteil unserer Nahrungsmittel legt Tausende von Kilometern zurück bevor sie in unseren Tellern landen. Der Lebensmitteltransport trägt 5 bis 6 Prozent zum weltweiten Ausstoss an Treibhausgasen bei.
 
 – Das nächste, äusserst rentable Glied in der industriellen Lebensmittelkette ist die Verarbeitung und Verpackung der Lebensmittel zu Tiefkühlprodukten, Konserven, Snacks oder Getränken. Dieser Prozess verbraucht riesige Energiemengen, insbesondere in Form von Erdöl und dessen Nebenprodukten. In der Summe sind die verarbeiteten und verpackten Produkte für 8 bis 10 Prozent der weltweiten Treibhausgase verantwortlich.
 
– Die Kühlung, das Einfrieren und der Detailhandel sind die Eckpfeiler von Supermarktketten und Fastfood-Restaurants. Die Kühlung (für 15 Prozent des globalen Stromkonsums zuständig) sowie austretende Kältemittel verursachen viele Treibhausgase. Kühlung und Detailhandel stossen zusammen 2 bis 4 Prozent der weltweiten Treibhausgase aus.
 

– Verschwendung ist ein Kennzeichen des industriellen Ernährungssystems. Ungefähr die Hälfte der Nahrungsmittel werden weggeworfen in der langen Ernährungskette: Auf dem Transport vom landwirtschaftlichen Betrieb zu HändlerInnen, während der Verarbeitung und schliesslich in Supermärkten, Restaurants und Haushalten.  Der Grossteil der Abfälle verwest auf Müllbergen oder Deponien und verursacht 3 bis 4 Prozent der weltweiten Treibhausgase.

All die Verschwendung steht für ein industrialisiertes, energieintensives Wirtschaftssystem. Heute wird davon ausgegangen, dass es sieben Energie-Kalorien braucht, um eine einzige Nahrungsmittelkalorie herzustellen. Vor 60 Jahren wurden aus einer Energie-Kalorie zwei produziert.

Hauptopfer des Klimawandels sind ironischerweise die Landwirtschaft, die Bäuerinnen und die Bauern. Wir müssen dringend handeln!

Glossar

Treibhausgas: Gas, das einen Teil der Sonnenstrahlen absorbiert und in Form von Strahlung wieder an die Erdatmosphäre abgibt (Treibhauseffekt). Gemeint sind hier meist Gase, die durch die Öl-, Kohle- und Holzverbrennung in die Erdatmosphäre gelangen.

Agroindustrie: Gesamtheit aller mit der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung verbundenen Industrien. Gemeint sind Unternehmen aus  der Branche der Dünger- und Pestizidherstellung, die den Anbau in Monokulturen fördern.

Produktionsmittel: Unterschiedliche Produkte in der Landwirtschaft, die dem Boden und den Kulturen zugefügt werden und weder vom Hof noch aus seiner Umgebung stammen. Sie kommen in dieser Form nicht im Boden vor und werden beigefügt, um die Erträge zu erhöhen.

Pestizide, synthetische: Chemisch hergestellte Produkte, die in den Kulturen v.a. gegen Unkraut (Herbizid), Krankheiten (bei Pilzen: Fungizid) und Insekten (Insektizid) eingesetzt werden.