Die Wirkung von Handelsregulierungen im Süden

REGELN

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Wir brauchen Regeln. Es gibt gute Beispiele dafür, dass sich Marktregulierungen wie Handelsobergrenzen und Verbote von unlauterem Wettbewerb für die Länder des Südens lohnen: Der Senegal verbot den Import von holländischen Zwiebeln während 8 Monaten im Jahr und erhöhte so seine Eigenproduktion nachhaltig. Kamerun schuf 110‘000 Arbeitsplätze, indem es den Import von tiefgekühltem Pouletfleisch untersagte.

STATT GRENZENLOSER WETTBEWERB

Die Wirkung von Handelsregulierungen im Süden

Ein unregulierter Markt kreiert Missstände, die Länder destabilisieren oder die Landwirtschaft in anderen Weltgegenden ganz zerstören.

Der Export von Überschüssen zu spottbilligen Preisen ans andere Ende der Welt ist unnötig, verschmutzt die Umwelt und bremst die Entwicklung lokaler Produktion. Von diesem Handel profitiert nur die Lebensmittelindustrie.

Umgekehrt wird billiges Palmöl in die Schweiz importiert. Dessen industrielle Produktion hat katastrophale Auswirkungen auf die Bevölkerungen in Indonesien und Malaysia. Sie verursacht grosse Umweltschäden und führt zu tiefgreifenden Konflikten in Bezug auf Menschen-, Land- und Arbeitsrechte.

Mit einigen wenigen Regeln und Regulierungen an den Grenzen können die negativen Auswirkungen verkleinert werden. Die Realität zeigt uns: Es funktioniert! Mehrere Länder, die die Importmengen gewisser Produkte limitiert haben, konnten ihre Produktion erhöhen und so Arbeitsplätze schaffen.

Zwiebeln und Reis im Senegal
Im Senegal sind Zwiebeln die wichtigste Gemüsekultur. Mehr als 250’000 Tonnen werden jährlich produziert, in lokalen Gerichten wird die Zwiebel hochgeschätzt. Dennoch wird die lokale Zwiebelproduktion von Import-Zwiebeln aus den Niederlanden konkurriert. Die Vermarktung ausländischer Zwiebeln hat in der Vergangenheit regelmässig zu öffentlichen Kräftemessen zwischen ProduzentInnen und Importeuren geführt. Im Jahr 2000 haben schliesslich die BranchenvertreterInnen erreichen können, dass während acht Monaten im Jahr ein Importverbot gilt. Für den Reis gilt: Jede/r ImporteurIn von ausländischem Reis muss eine fixe Menge Lokalreis kaufen.

Poulet in Kamerun
Seit Ende der neunziger Jahre wurde der kamerunische Markt von tiefgefrorenem Geflügel-Fleisch aus Europa überschwemmt. Die Gewinne wurden mit den noblen Stücken gemacht, die Nebenprodukte wurden dagegen spottbillig, für weniger als die Hälfte des Preises von lokalem Poulet, verkauft. Diese Importe hatten folgenschwere Konsequenzen: Einbruch der nationalen Produktion zwischen 1997 bis 2003 um die Hälfte und ein Devisenverlust von umgerechnet mehr als 25 Millionen Franken. Zudem traten bei der Bevölkerung viele Durchfallkrankheiten auf, weil das Geflügel nicht ordnungsgemäss gekühlt werden konnte. Dank einer grossen Mobilisierungs- und Protestkampagne musste die kamerunische Regierung schliesslich zurückkrebsen. 2008 hat sie den Geflügel-Import verboten und einen Plan für die Geflügelzucht vorgelegt. So konnten 110’000 Arbeitsplätze geschaffen werden. Eine effiziente Lösung, mehr als jedes Entwicklungsprogramm schafft.

Ernährungssouveränität beruht auf fairem Handel und Respekt gegenüber anderen Lebensmittelsystemen – nicht auf Konkurrenz.

Glossar

Lebensmittelindustrie: Gesamtheit aller wirtschaftlichen Tätigkeiten, die mit der maschinellen Verarbeitung von Lebensmitteln in grossen Mengen in Verbindung stehen. Gegenteil der handwerklichen Verarbeitung.

Handelsobergrenzen: Ein Mittel zur Vermeidung eines Überangebots und zur Förderung fairer Preise.

Unlauterer Wettbewerb: Unerlaubte Geschäftspraxis, welche die Regeln des fairen Wettbewerbs verletzt und so die Beziehungen zwischen KonkurrentInnen oder ZuliefererInnen und den KundInnen beeinflusst.