Faire Preise für Bäuerinnen und Bauern und KonsumentInnen im Süden

WENN NIEDRIGE PREISE

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AUF KOSTEN ANDERER GEHEN

Die Schweiz importiert Soja und Mais aus Südamerika, um ihre Tiere zu füttern. Im Gegenzug exportiert die Schweiz Produkte wie Milchpulver zu tiefen Preisen in die ganze Welt und konkurriert die lokale Produktion im Süden. Die damit verbundenen Transporte verschmutzen die Umwelt und die Exporte zerstören die lokalen Märkte der ärmsten Länder.

Faire Preise für Bäuerinnen und Bauern und KonsumentInnen im Süden

Die Schweiz ist das Land der Schokolade, von Kühen, Käse und von Nestlé. Am Beispiel der Milch soll gezeigt werden, welche Auswirkungen unsere Landwirtschaftspolitik im Süden hat.

Der unersättliche Appetit der Schweizer Milchgiganten
Die Abschaffung der Milchkontingentierung im Jahr 2009 hat in der Schweizer Milchindustrie ein Chaos verursacht. Trotz Streik sind die Preise seither weiter gesunken. Heute befinden wir uns in einer Sackgasse! Es gibt drei verschiedene Preise für die gleiche hochwertige Milch, deren Pflichtenheft weltweit eines der strengsten ist. Für hiesige ProduzentInnen besteht häufig die Pflicht, die gesamte Milch abzuliefern – und zwar auch jene, die für den Weltmarkt als Milchpulver bestimmt ist. Verträge schreiben ein Demonstrationsverbot vor. Die Zahl der MilchproduzentInnen ist innerhalb von zwölf Jahren (2000-2012) um einen Drittel gesunken. Zudem gelangt immer mehr ausländisches Futtergetreide in die Schweiz, während die lokale Produktion vernachlässigt wird. Es fehlt am politischen Willen, an dieser Situation etwas ändern zu wollen und so einen fairen Rahmen zu schaffen.

Im Ausland werden durch den intensiven Futtermittelanbau tropische Regenwälder abgeholzt, Kleinbäuerinnen und Kleinbauern wird das Land weggenommen. Milchpulver und Butter überschwemmen die Weltmärkte. Und das alles auf dem Rücken der Schweizer MilchproduzentInnen und auf Kosten der ProduzentInnen im Süden. Bestes Beispiel dafür ist die kolumbianische und indische Produktion der «geliebten Milch von nebenan», deren lokaler Markt durch die Milchgiganten bedroht ist. Nestlé ist die Nummer 1 auf dem Weltmarkt und sieht vor, seine Verkäufe in aufstrebenden Märkten bis 2020 um 45 Prozent zu steigern und seinen Umsatz in Afrika alle drei Jahre zu verdoppeln.

Die «geliebte Milch von nebenan» ist gefragt – auch wenn sie von der Elite verachtet wird
In Kolumbien bringen tagtäglich 50’000 MilchverkäuferInnen (es.: jarreadores) mit dem Motorrad 40 Millionen Liter Milch in die Stadt, die an 20 Millionen KolumbianerInnen verkauft wird. Die Milch, die zuhause aufgekocht wird, ist nur halb so teuer wie die pasteurisierte Milch im Supermarkt. 2006 hat die Regierung von Präsident Uribe unter dem Vorwand mangelnder Hygiene ein Dekret erlassen, das den Konsum, den Verkauf und den Transport der Milch verbietet. Gleichzeitig begann die Regierung mit Milch-Export-Ländern ein Freihandelsabkommen auszuhandeln. Dies führte zu massiven Demonstrationen im ganzen Land, womit die Massnahmen der Regierung zurückgewiesen werden konnten. Die Opposition schaffte es, die Regierung in die Knie zu zwingen und sie soweit zu bringen, dass die «geliebte Milch von nebenan» in einem neuen Dekret von 2011 als legal und unentbehrlich anerkannt wurde. Was für ein Sieg! Denn in Wirklichkeit erfüllt die lokale Produktion vollumfänglich die Bedürfnisse der Gemeinschaften: Sie kann einfach und sicher ausgeliefert werden und kreiert zahlreiche Arbeitsplätze. Der nicht strukturierte Wirtschaftszweig zeigt so den Milchgiganten die Stirn – zumindest solange der Milchüberschuss auf den Weltmärkten nicht noch günstiger verkauft wird.