Autonomie zurückerlangen in der Schweiz

AUSBRECHEN AUS DER FALLE

SOUVERAINETE_ALIMENTAIRE_expo_70x100cm_HD-7

Um auf dem globalen Markt konkurrenzfähig zu bleiben, ist unsere Landwirtschaft gezwungen, sich auf wenige Produkte zu spezialisieren und die Arbeit zu mechanisieren. Bauernfamilien müssen in teure Maschinen investieren und werden nicht selten durch die Schulden erdrückt. Die Ernährungssouveränität  bringt eine Wende, indem sie den Menschen wieder ins Zentrum der Landwirtschaft stellt.

LEBENSLANGER VERSCHULDUNG

Autonomie zurückerlangen in der Schweiz

Um im verschärften Wettbewerb bestehen zu können, investieren Schweizer Bäuerinnen und Bauern in grössere Maschinen, Gebäude und Parzellen. Die Kehrseite: Sie verschulden sich dabei und bei den tiefen Nahrungsmittelpreisen ist es schwierig, die Schulden zurückzuzahlen.

Meist beginnt die Verschuldung bereits mit der Hofübernahme, da die grossen Investitionen mitübernommen werden müssen, samt Schulden.


Gestartet mit dem legitimen Bedürfnis, die Arbeit zu erleichtern, sind die Bäuerinnen und Bauern zum Spielball von Banken, Industrie und Grossverteilern geworden. Die Abhängigkeit beginnt beim Saatgut und endet beim Verkauf der Nahrungsmittel. Die Investitionen müssen amortisiert und die Schulden zurückbezahlt werden. Aus der Schuldenspirale wird ein Teufelskreis: Mehr produzieren zu tieferen Preisen, um kurzfristig genügend liquide Mittel für die Entrichtung der Zinsen zu haben.

Waren Bauernhöfe früher mehr oder weniger autonom, haben die Globalisierung, die Industrialisierung und die Spezialisierung viele Bäuerinnen und Bauern in die Abhängigkeit getrieben. Heute werden Saatgut, Dünger oder Futtermittel häufig dazugekauft, sei es von anderen Höfen oder aber von nationalen oder multinationalen Unternehmen.

In gewissen Regionen führt diese Spezialisierung zu einer Konzentration von Hühner- und Schweinemastbetrieben. Damit die teuren Ställe finanziert werden können, wenden sich die Bäuerinnen und Bauern an ein grosses Unternehmen im jeweiligen Markt, das die Produktion von Anfang bis Ende kontrolliert. ProduzentInnen erhalten den Kredit nur unter der Bedingung, dass sie auch Küken, Futter und Produktionsmittel beim Geldgeber einkaufen. Eine eigenständige Bäuerin, ein eigenständiger Bauer wird dadurch faktisch zum abhängigen Angestellten eines Grossunternehmens – ein Rad in der Maschine der Agroindustrie.

Das Wachstum der Bauernhöfe hat zu einer übertriebenen Spezialisierung und einer Übermechanisierung geführt – gleichzeitig ist der Verschuldungsgrad gestiegen. Mit einer Verschuldung von 28’400 Fr. pro Hektare nehmen Schweizer Bäuerinnen und Bauern in Europa einen Spitzenplatz ein.
Um aus der Schuldenspirale ausbrechen zu können, sind nicht grössere und noch spezialisiertere Betriebe gefragt, sondern eine bäuerliche Landwirtschaft mit kleineren Höfen. Anstatt Kunstdünger benützen die Bäuerinnen und Bauern Dünger, der auf dem eigenen Hof anfällt oder arbeiten mit NachbarInnen zusammen. Das Saatgut kommt nicht von multinationalen Unternehmen, sondern aus der Region. Nur so viele Maschinen und Gebäude wie notwendig, dafür mehr Vielfalt und eine Rückgewinnung der Wertschöpfung: Wenn die Verarbeitung in der Region bleibt, erhöht das die Wertschöpfung vor Ort und vermindert die Abhängigkeit. Arbeitsplätze werden geschaffen und anstelle von Maschinen stehen Menschen im Mittelpunkt der Nahrungsmittelproduktion. Aus einer Abhängigkeit wird eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe.

Glossar

Mechanisierung, mechanisieren:
Einführung mechanischer Geräte anstelle von Handarbeit, In der Landwirtschaft;  z.B. Traktor, Pflug, Mähdrescher, Kühlraum für Gemüse, Melkmaschine.

Multinationales Unternehmen:Firma, die in mehreren Ländern oder Kontinenten agiert oder angesiedelt ist.

Agroindustrie:
Gesamtheit aller mit der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung verbundenen Industrien. Gemeint sind Unternehmen aus  der Branche der Dünger- und Pestizidherstellung, die den Anbau in Monokulturen fördern.