Für eine lokale Wirtschaft im Süden

HOCHWERTIGE NAHRUNGSMITTEL

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DANK REGIONALER PRODUKTION

Die Dezentralisierung der Verarbeitung ist die Grundlage der Ernährungssouveränität. Die lokale Wirtschaft wird gestärkt und Arbeitsplätze sowohl in der Landwirtschaft als auch bei der Lebensmittelverarbeitung werden geschaffen. Das erhöht die Wertschätzung für gesunde, saisonale Produkte und ermöglicht die Erhaltung einer nachhaltigen, bäuerlichen Landwirtschaft.

Für eine lokale Wirtschaft im Süden

Man ist geneigt zu sagen, dass es in Afrika keine Agrarpolitik gäbe. Bei genauem Hinschauen wird aber deutlich, dass die staatlichen Interventionen sich vor allem auf den Anbau von Grundnahrungsmitteln oder auf eine exportorientierte Produktion konzentrieren. «Lokal essen» steht (noch) im Hintergrund.

Die Unterstützung einer lokalen Produktion und Verarbeitung zieht nicht automatisch einen höheren Konsum nach sich. Auf Grund des demografischen Wachstums und der Bildung des Binnenmarktes könnte dies zwar angenommen werden. Insbesondere in der Stadt weicht die Realität aber von dieser Logik ab: Anstatt lokale Güter decken Importprodukte den Bedarf ab. Warum also nicht die Logik umkehren und die Nachfrage nachhaltig stärken, um das lokale Angebot anzuregen?

Togo: anbauen, produzieren und essen
Im Togo arbeitet die Organisation pour l’alimentation et le développement local (OADEL) für eine Entwicklung der Nachfrage. Der Verein fördert seit 2003 eine familiäre, nachhaltige Landwirtschaft und das Konzept der Ernährungssouveränität, indem lokale Produkte aufgewertet werden. Mehrere ihrer Initiativen sind innovativ und dienen als Beispiel für ganz Westafrika. So zum Beispiel das BoBaR (Boutique-Bar et Restaurant) in Lomé. Die Initiative fördert «lokal essen» in einer urbanen Umgebung und erhöht so die Kaufkraft der Bäuerinnen und Bauern.

Der Markt für lokale Produkte soll aber keine Nische sein. Weil hingegen bei verarbeiteten Produkten meist höhere Kosten zugrunde liegen, werden automatisch wieder KonsumentInnen mit höherer Kaufkraft angezogen. OADEL hat deshalb eine Aufklärungskampagne für KonsumentInnen organisiert, um sie zum Kauf der qualitativ guten, lokalen Produkte zu veranlassen – selbst wenn der Preis dafür höher ist. Die Sensibilisierungsarbeit orientiert sich am Grundsatz, dass das Geld für den Kauf lokaler Produkte wieder in die lokale Wirtschaft fliesst und so ein positiver Kreislauf angeregt wird.

Lokale Produkte haben im Süden einen schweren Stand, ihr Image muss noch stark aufgebessert werden. Denn: In Westafrika wird Importprodukten eine bessere Qualität nachgesagt. Sie werden dank der Werbung so angepriesen, dass ein Konsummodell suggeriert wird, das paradoxerweise der Mehrheit der Bevölkerung, ob urban oder rural, verwehrt bleibt. Die Importprodukte werden von der Ober- und Mittelschicht sowie von AusländerInnen verzehrt, die so als Vorbild dienen. Um diese Betrachtungsweise zu überwinden, muss weiter sensibilisiert und kommuniziert werden. Die Leute sollen wieder Vertrauen in lokale Produkte gewinnen.

Glossar

Nische:
Ein Nischenprodukt wird in kleinen Mengen hergestellt und deckt eine Nachfrage ab, die in den Lücken der Massenproduktion entsteht. Z.B. gilt die Herstellung von biologischem Saatgut bei den grossen Saatgutherstellern als Nische.