Eine einträgliche Landwirtschaft für alle im Süden

AGRI-KULTUR

SOUVERAINETE_ALIMENTAIRE_expo_70x100cm_HD-14

STATT MASSENHAFTE LANDFLUCHT

Eine der grössten Herausforderungen der afrikanischen Landwirtschaft ist die Schaffung von Arbeitsplätzen. Durch eine Ausbildung in Agrarökologie eignen sich junge Menschen das Wissen an, um erfolgreich Nahrungsmittel anzubauen. Das schafft Alternativen zur Migration und stärkt die Gemeinschaft auf dem Land durch soziale und wirtschaftliche Zusammenarbeit.

Eine einträgliche Landwirtschaft für alle im Süden

Laut Statistiken der FAO sind Frauen der Motor der 60 bis 80 Prozent SelbstversorgerInnen in Entwicklungsländern. Dennoch werden sie bei der Verwaltung des Familienbesitzes und der Einkommen ausgegrenzt.

In Afrika liegen die grossen Kulturen der Nutzpflanzen meist in den Händen von Männern. Frauen werden in landwirtschaftlichen Organisationen, von politischen Entscheiden und Unternehmen der Lebensmittelindustrie oft ausgegrenzt. Für sie ist es sehr schwierig, an natürliche Ressourcen und Mikrokredite zu kommen.

Die Anerkennung von Frauen und ihrer Leistung in der Landwirtschaft muss eine Priorität darstellen. Seit Jahrtausenden sind Frauen in zahlreichen Kulturkreisen die Wächterinnen des Saatguts. Heute kann insbesondere durch dieses Wissen eine Gleichheit zwischen Mann und Frau etabliert werden. Zahlreiche Frauen sind sehr prägend bei der Problemlösung in der Familie und der Gemeinschaft.

Dank einer informellen, selbstverwalteten Solidarität haben Frauen seit jeher die Verarbeitung und den Verkauf von Produkten aus der familiären Landwirtschaft übernommen. So haben sich Frauengruppen gebildet und organisiert, um die traditionellen Selbstversorger-Kulturen wie Hirse und Maniok zu verarbeiten und dadurch einen Mehrwert zu generieren.

Eine Studie im Senegal hat gezeigt, dass das Einkommen aus einem agrarökologisch betriebenen Bauernhof deutlich höher ist, als jenes eines konventionellen Hofes. Die Agrarökologie hat wegen der intensiven Handarbeit einen positiven Einfluss auf die Schaffung von Arbeitsplätzen.


Die Bäuerinnen und Bauern der Zukunft ausbilden
In zahlreichen Ländern des Südens existieren keine öffentlichen Berufsausbildungen für die Landwirtschaft. Bäuerin oder Bauer ist kein Beruf. Der Sektor tut sich schwer, Junge zu begeistern, weil das Überleben in der Landwirtschaft nicht einfach ist. Viele wandern vom Land in die urbanen Zentren ab. Doch gerade eine landwirtschaftliche Ausbildung ist eine gute Voraussetzung, um Ernährungssouveränität in der Realität umzusetzen.

Glücklicherweise werden immer mehr praktische Ausbildungen auf Betrieben angeboten, die einen umfassenden Einblick in die Welt der Agrarökologie bieten. Meistens wird das Wissen von Bäuerinnen und Bauern direkt an BerufskollegInnen weitergegeben. So lernt die neue Generation einfache, partizipative und den lokalen Bedürfnissen angepasste Anbaumethoden kennen. Dank diesem generationenübergreifenden Austausch können sich viele Junge nach der Ausbildung selbstständig machen. Informationstechnologien sind in diesem Kontext ein wichtiges Werkzeug, weil sie den Austausch und die Ausbildung ermöglichen. Sie helfen eine Zukunft aufzubauen, in der alle weltoffen und dennoch lokal verankert sind.

Glossar

Agrarökologie, agrarökologisch: Begriff, der eine wissenschaftliche Disziplin, eine soziale Bewegung oder eine landwirtschaftliche Praxis beschreibt. Die drei Aspekte interagieren miteinander und berücksichtigen die dem geografischen Gebiet eigenen Bedingungen.

Lebensmittelindustrie: Gesamtheit aller wirtschaftlichen Tätigkeiten, die mit der maschinellen Verarbeitung von Lebensmitteln in grossen Mengen in Verbindung stehen. Gegenteil der handwerklichen Verarbeitung.

Mikrokredit: Verleihung von Kleinbeträgen an unternehmerisch oder handwerklich tätige Personen, die von den Krediten klassischer Banken ausgeschlossen sind. Die ursprüngliche Form des Mikrokredits stützt sich auf Methoden des kollektiven Kredits von lokalen Sparern, mit solidarischer Haftung und gegenseitiger Aufsicht durch die Partner, um die Kreditrisiken abzudecken.