Eine einträgliche Landwirtschaft für alle in der Schweiz

MEHR HERZEN UND HÄNDE:

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MEHR BÄUERINNEN UND BAUERN AUF UNSEREN FELDERN

Die Industrialisierung der Landwirtschaft leert die Felder und Taschen der Bauernfamilien, die versuchen, das Land zu beleben und die Städte mit Nahrung zu versorgen. Ernährungssouveränität garantiert würdige Arbeitsbedingungen und sichert den ProduzentInnen eine faire Entlohnung zu. Damit werden auch Frauen und junge Leute wieder für landwirtschaftliche Tätigkeiten begeistert.

Eine einträgliche Landwirtschaft für alle in der Schweiz

Es ist an der Zeit, wieder den Menschen ins Zentrum der Landwirtschaft zu stellen.
Wir brauchen mehr Arbeitsplätze in der Landwirtschaft, Wertschätzung der Arbeit der Frauen und Unterstützung für junge Leute, die Land suchen.

Das aktuelle Landwirtschaftssystem zerstört die Natur und führt vielerorts zu Hunger, Kriegen und Migration. In der Schweiz verschulden sich die Bauernfamilien, um überleben zu können. Diese Investitionen in Maschinen und Infrastruktur, die eigentlich die Arbeit erleichtern sollten, sind ein zweischneidiges Schwert: Um sie zu amortisieren, müssen die Bauern nicht weniger, sondern mehr arbeiten – die teuren Maschinen sollen sich rechnen, die Zinsen an die Bank müssen bezahlt werden. Die Betriebe spezialisieren sich, auf den Feldern wachsen Mono- anstatt Mischkulturen. Die Selbstversorgung eines Hofes sinkt, die Abhängigkeit steigt.

Dabei hat die Landwirtschaft mehr Funktionen als die Nahrungsmittelproduktion – sie vermittelt auch zwischen Mensch und Natur. Ein vielfältiger, autonomer und souveräner Hof hat mehr Chancen, der verschärften Konkurrenz zu entrinnen.
Eine bäuerliche Landwirtschaft:

– verzichtet auf übertriebene Investitionen in Technik und Energie.

_ passt die Arbeiten und die Arbeitszeit dem Rhythmus der Natur an.

– sucht die Nähe zu den KonsumentInnen. Sie entwickelt kurze Wege mit wenig oder keinen Zwischenhändlern, sodass Bauernfamilien und landwirtschaftliche Angestellte angemessen entlöhnt werden können.

– holt die Verarbeitung auf den Hof oder in die Region zurück. Sie gestaltet die Arbeit vielfältiger und trägt dazu bei, das praktische Wissen zu erhalten und zu erweitern. Das erhöht die Selbstversorgung der Bauernfamilien und fördert die Nachbarschaftshilfe.

2014 wurden in der ganzen Schweiz nur 2’800 von 54’000 Landwirtschaftsbetrieben von Frauen geleitet, bei insgesamt 158’800 in der Landwirtschaft tätigen Personen.
«Wir beobachten eine Vorherrschaft der Männer – in landwirtschaftlichen Organisationen, in politischen Organen und Unternehmen der Agro- und Lebensmittelindustrie, auch auf europäischer Ebene und in internationalen Gremien.

Dabei tragen Frauen auf Bauernbetrieben überall in Europa viel Verantwortung und leisten unzählige Arbeitsstunden, viele davon unbezahlt. Eine Reorganisation muss auch Frauen erlauben, ihren Platz in Debatten und Entscheidungen zur Agrarpolitik einnehmen zu können. Junge Leute müssen einbezogen werden. Das Patriarchat und Diskriminierungen aufgrund des Alters schliessen junge Leute von Entscheidungsprozessen aus. Die Landwirtschaft soll ein respektiertes Berufsfeld sein, das Bäuerinnen und Bauern erlaubt, in Würde von ihrer Arbeit leben zu können und in einem florierenden ländlichen Umfeld zu arbeiten, damit die Landwirtschaft wieder attraktiv wird. Dazu müssen wir Landwirtschaft anders lehren, die Prioritäten der staatlichen Forschung und Lehrinstitutionen umgestalten und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung ländlichen Lebens mehr Unterstützung zukommen lassen.» Guide pour la souveraineté alimentaire, European Coordination Via Campesina (ECVC)

Glossar

Mischkultur: Anbaumethode, bei der verschiedene Kulturpflanzen auf dem gleichen Feld angebaut werden und die sich gegenseitig unterstützen.

Monokultur: Methode, bei der im Gegensatz zur Mischkultur nur eine Pflanzenart auf einem Feld angebaut wird, meist auf grossen Flächen. Z.B. Monokultur von Ölpalmen oder Weizen.

Agroindustrie: Gesamtheit aller mit der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung verbundenen Industrien. Gemeint sind Unternehmen aus  der Branche der Dünger- und Pestizidherstellung, die den Anbau in Monokulturen fördern.

Lebensmittelindustrie: Gesamtheit aller wirtschaftlichen Tätigkeiten, die mit der maschinellen Verarbeitung von Lebensmitteln in grossen Mengen in Verbindung stehen. Gegenteil der handwerklichen Verarbeitung.