Gefahren der Gentechnik im Süden

GENTECHNIK GEGEN HUNGER UND ARMUT?

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EIN LEERES VERSPRECHEN

Gentechnik wird seit 20 Jahren in der Landwirtschaft angewandt. Den Ländern des Südens hat sie weder einen ernährungstechnischen noch einen sozialen oder ökologischen Mehrwert gebracht. Im Gegenteil: Gentechnik erhöht die Abhängigkeit von Bäuerinnen und Bauern und kann die Umwelt gefährden. Die versprochenen Mehrerträge lassen auf sich warten.

Gefahren der Gentechnik im Süden

Der Hunger auf Erden kann besiegt werden – auch ohne Gentechnik. Das gentechnisch modifizierte Saatgut, das durch Patentierung geschützt und zu hohen Preisen verkauft wird, hilft armen Bauernfamilien nicht, denn sie müssen das Saatgut jedes Jahr neu kaufen.

In Kolumbien verschwinden grossartige Maissorten, weil an ihrer Stelle Genmais angebaut wird. Monsanto und Syngenta zwingen den Bäuerinnen und Bauern ihre Sorten auf und zerstören so den lokalen Saatgutmarkt.

Dieselbe Strategie wird für Baumwolle in Burkina Faso und Indien angewendet: Der Saatgutmarkt für Baumwollsamen wird ausgetrocknet, indem lokalen Sorten der Zugang verwehrt wird. Die burkinischen Baumwoll-Bäuerinnen und -Bauern haben sich jahrelang gegen Gentech-Baumwolle gewehrt. Sie ist teuer, minderer Qualität und kontaminiert lokale Sorten. Auch in Indien haben Bäuerinnen und Bauern von Anfang an gegen Gentech-Baumwolle gekämpft. Der Druck vonseiten der multinationalen Unternehmen wurde aber immer grösser. Mehrere Tausend Bäuerinnen und Bauern haben sich, durch die omnipräsente Werbung zum Kauf des Gentech-Saatguts verlockt, das Leben genommen, sie steckten bis zum Hals in den Schulden.

Immer wenn sich Bäuerinnen und Bauern über schlechtere Ernten aus teurem Gentech-Saatgut beklagen, antworten die Multis dasselbe: Die ProduzentInnen hätten nicht die richtige Anbaumethode benutzt oder das Klima sei schuld.

Die drei erwähnten Länder sind nur Beispiele unter vielen. Sie zeigen die Macht, die wenige multinationale Unternehmen der Agroindustrie auf die Landwirtschaft in politisch und ökonomisch schwachen Ländern ausüben. Falls Gentechnik wirklich eine Lösung darstellen würde, wären die Bäuerinnen und Bauern die ersten, die sie flächendeckend einsetzen würden. Meist wird Gentechnik den Bäuerinnen und Bauern durch Behörden aufgezwungen, die dem Lobbyismus der Multis nicht standhalten.

Gentechnisch verändertes Saatgut stellt ein Problem dar, weil:
 
– es sehr teuer ist. Bäuerinnen und Bauern sind gezwungen, jedes Jahr neues Saatgut zu kaufen und verschulden sich.
 
– es im Vergleich zu bäuerlichem Saatgut den lokalen Bedingungen nicht angepasst und die Ernte schlechter ist.
 
– mit Fortdauer und im wiederholten Anbau der Kulturen immer mehr Pestizide und Kunstdünger ausgebracht werden müssen.
 

– es andere Sorten kontaminiert und zur Verarmung der Biodiversität beiträgt.

Kann mit Gentechnik also der Hunger der Welt bekämpft werden? Nein, sagen ExpertInnen. Die Zukunft der Nahrung liegt nicht in der Gentechnik, sondern in der Ernährungssouveränität und in der Agrarökologie. Die bäuerlichen Gemeinschaften sollen selber über ihre Landwirtschaft entscheiden können, ihr traditionelles Wissen anwenden und die lokale Biodiversität fördern. Selbstbestimmung, Autonomie und Nachhaltigkeit sind überlebenswichtig. Bis jetzt kann keines dieser Kriterien durch die Gentechnik abgedeckt werden.

Glossar

Gentechnik, gentechnisch: Forschungs- und Experimentiermethode mit Genen. Sie umfasst die Veränderung und Neuzusammensetzung von DNA.

Patent, Patentierung: Eigentumsurkunde, die durch eine rechtliche Behörde anerkannt ist und die Innovation vor Konkurrenz schützt. Sie verleiht i. d. R. während 20 Jahren das Nutzungsmonopol für die patentierte Erfindung.

Multinationales Unternehmen: Firma, die in mehreren Ländern oder Kontinenten agiert oder angesiedelt ist.

Agroindustrie: Gesamtheit aller mit der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung verbundenen Industrien. Gemeint sind Unternehmen aus  der Branche der Dünger- und Pestizidherstellung, die den Anbau in Monokulturen fördern.

Lobby, Lobbyismus: Interessenverband, der die Anliegen von Unternehmen und Verbänden vertritt. Lobbyismus bezeichnet die Tätigkeit der Interessenverbände.

Pestizide, synthetische: Chemisch hergestellte Produkte, die in den Kulturen v.a. gegen Unkraut (Herbizid), Krankheiten (bei Pilzen: Fungizid) und Insekten (Insektizid) eingesetzt werden.

Biodiversität: Gesamtheit der Vielfalt der Ökosysteme, der Artenvielfalt und der genetischen Vielfalt.

Agrarökologie, agrarökologisch: Begriff, der eine wissenschaftliche Disziplin, eine soziale Bewegung oder eine landwirtschaftliche Praxis beschreibt. Die drei Aspekte interagieren miteinander und berücksichtigen die dem geografischen Gebiet eigenen Bedingungen.