Gefahren der Gentechnik in der Schweiz

GENTECHNIK,

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EIN LABOR IM FELD

In der Schweizer Landwirtschaft ist die Verwendung von gentechnisch veränderten Organismen (GVO) zurzeit verboten, zur wissenschaftlichen Forschung hingegen erlaubt. Seit Jahren versuchen WissenschaftlerInnen in unterschiedlichen Verfahren, die DNA von Tieren und Pflanzen zu modifizieren, ohne dabei die Risiken für Umwelt und Gesundheit zu berücksichtigen.

Gefahren der Gentechnik in der Schweiz

Seit vielen Jahren befasst sich die Wissenschaft mit unterschiedlichen Verfahren, die die DNA von Pflanzen und Tieren modifiziert. Die Gentechnik ist eine unkontrollierte Technik, die durch die Ausklammerung des Vorsorgeprinzips gefährlich werden kann.

Gentechnisch veränderte Pflanzen werden seit zirka zwanzig Jahren verkauft. Heute entwickeln sich die Verfahren zur Modifizierung der Erbinformationen sprunghaft.

Bei der «klassischen» Gentechnik werden ein oder mehrere Gene einer anderen Art in den Ausgangsorganismus eingefügt. Ziel bei Pflanzen ist häufig die Resistenz gegen ein Herbizid (z.B. Glyphosat) oder gegen einen Parasiten (z.B. den Maiszünsler). In der EU sind zirka 70 gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zugelassen. In den USA gibt es fast nur noch Gentech-Mais, Raps und Soja. In der Schweiz ist seit 2005 ein Moratorium in Kraft, das die Verwendung von Gentechnik in der Landwirtschaft verbietet. Zur Forschung sind jedoch schrittweise Versuche erlaubt – zuerst im geschlossenen Labor, später im Freiland.

Die Verwendung von GVO ist in der Natur problematisch, denn sie können während der Bestäubung auch verwandte Pflanzen kontaminieren – wilde wie kultivierte. Es sind Fälle bekannt, in denen gentechnisch veränderter, gegen ein Herbizid resistenter Raps, herkömmlichen Raps kontaminierte. Ebenso veränderte der Gentech-Raps den Acker-Rettich, eine Ackerbegleitpflanze, die ebenfalls resistent wurde gegen Herbizide.

Zurzeit wird versucht, viele «neue Technologien» auf den Markt zu bringen, so zum Beispiel «CRIPSR/Cas 9». Man spricht bei diesem Verfahren auch von der «Genschere», weil damit die DNA an gewünschten Stellen geschnitten und danach Mutationen erzeugt oder genetische Sequenzen eingefügt oder entfernt werden können.  

Die Anwendung des Vorsorgeprinzips ist der einzige Weg, um die unkontrollierte Ausbreitung der neuen Technologien zu verhindern.
Das im Labor entwickelte Saatgut ist nicht an die Bedingungen des Bodens und des Klimas draussen angepasst. Die Pflanzen der multinationalen Unternehmen sind auf Produktionsmittel wie Kunstdünger und Pestizide angewiesen, um wachsen zu können. Solche Techniken sind mit Ernährungssouveränität nicht zu vereinbaren. Eine ökologische Landwirtschaft braucht Saatgut ohne Risiken für die Gesundheit von Mensch und Tier.

Schliesslich bedeuten solche Innovationen auch eine Privatisierung der pflanzengenetischen Ressourcen und von theoretischem und praktischem Wissen. Lagen diese Schätze bisher in den Händen der bäuerlichen Landwirtschaft, werden sie nun von multinationalen Unternehmen monopolisiert. Zudem lässt die Agroindustrie Saatgut patentieren und nimmt den Bäuerinnen und Bauern das Grundrecht, Saatgut ihrer eigenen Kulturen zu vermehren und zu verwenden. Wer das trotzdem tut, wird bisweilen sogar kriminalisiert und bestraft. Im Saatgut steckt das Leben und seine Patentierung ist ein Angriff auf die Selbständigkeit der bäuerlichen Welt.

Glossar

Gentechnik, gentechnisch: Forschungs- und Experimentiermethode mit Genen. Sie umfasst die Veränderung und Neuzusammensetzung von DNA.

DNA — Desoxyribonukleinsäure: Träger der Erbinformation.(deutsch: DNS)

Vorsorgeprinzip: Grundsatz aus der Rio-Erklärung von 1992: «Drohen schwerwiegende oder bleibende Schäden, so darf ein Mangel an vollständiger wissenschaftlicher Gewissheit kein Grund dafür sein, kostenwirksame Massnahmen zur Vermeidung von Umweltverschlechterungen aufzuschieben.»

Pestizide, synthetische: Chemisch hergestellte Produkte, die in den Kulturen v.a. gegen Unkraut (Herbizid), Krankheiten (bei Pilzen: Fungizid) und Insekten (Insektizid) eingesetzt werden.

Multinationales Unternehmen: Firma, die in mehreren Ländern oder Kontinenten agiert oder angesiedelt ist.

Produktionsmittel: Unterschiedliche Produkte in der Landwirtschaft, die dem Boden und den Kulturen zugefügt werden und weder vom Hof noch aus seiner Umgebung stammen. Sie kommen in dieser Form nicht im Boden vor und werden beigefügt, um die Erträge zu erhöhen.

Agroindustrie: Gesamtheit aller mit der Landwirtschaft und der Lebensmittelherstellung verbundenen Industrien. Gemeint sind Unternehmen aus  der Branche der Dünger- und Pestizidherstellung, die den Anbau in Monokulturen fördern.

Patent, Patentierung: Eigentumsurkunde, die durch eine rechtliche Behörde anerkannt ist und die Innovation vor Konkurrenz schützt. Sie verleiht i. d. R. während 20 Jahren das Nutzungsmonopol für die patentierte Erfindung.